Der Zirkus hatte Sex

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Von wegen romantisch: Der Zirkus war zu seiner Glanzzeit ein knallhartes Geschäft, mit dem man steinreich werden konnte - wie John Ringling, der als Clown begann und als Konzernlenker starb. Um Zuschauer kämpften die Veranstalter mit immer grelleren Plakaten.

Von Christoph Der Zirkus hatte Sex. Der einestages-Redakteur Jahrgang hat Geschichte, Politik und Publizistik studiert und freut sich immer, wenn er in alten Quellen lebendige Zeitzeugen-Berichte findet. Als langjähriger Rucksackreisender hat er ein Faible für historische Reiseabenteuer und vergessene Orte.

Ausbildung bei der Deutschen Journalistenschule, seit bei einestages. Dann ein nervöser Auftritt mit schlichten Sketchen, ungelenken Akrobatikeinlagen, schief tönenden Liedchen. Einen Cent Eintritt nahmen er und seine vier Brüder im Jahr von einer Handvoll Freunde und Bekannte, als sie, um der Langweile in ihrer amerikanischen Heimatstadt am Mississippi zu entkommen, ihre erste Zirkusshow veranstalteten. Der vierjährige John warf sich in ein Clownskostüm, seine älteren Brüder ritten auf einem Pony oder präsentierten stolz eine Ziege, die sie sich eigens für den Auftritt geliehen hatten.

Doch die kindliche Show wurde zum Ausgangspunkt einer beispiellosen Karriere. Nicht einmal vier Jahrzehnte später war der Name Ringling das Synonym für spektakuläre Zirkusunterhaltung. Der einstige Kinderclown John war zu einem mächtigen Mann in der Unterhaltungsindustrie geworden, der die besten Artisten der Welt in seine Shows holte. John Ringlings Erfolgsgeschichte wurde die Verwirklichung des amerikanischen Traums.

Es war eine Zeit, in der man mit Trapezkünstlern, Feuerspuckern und Bärenbändigern reich werden konnte - steinreich sogar.

Der Zirkus hatte Sex wie John Ringling. Ihre Zelte waren da schon lange nicht mehr aus ausgedienten Armeedecken zusammengeflickt, sondern boten inzwischen Zuschauern Platz - und auch der Eintrittspreis war auf 50 Cent gestiegen. Aus unbeholfenen Amateuren waren in wenigen Jahren findige Unternehmer geworden. Ihr Geschäftsmodell passte perfekt in eine Zeit, als die Industrialisierung den Menschen Arbeit und bescheidenen Wohlstand sicherte, ihnen aber noch kaum professionelles Entertainment bot.

Überall in Frankreich, Deutschland, Russland und natürlich in Amerika kündigten bunte Plakate Sensationen und Superlative an: Furcht erregende Tiger zeigten darauf fauchend ihre Krallen, knapp bekleidete Akrobatinnen schwebten graziös durch die Lüfte, oder der Zirkus hatte Sex Kängurus hüpften durch Manegen. Doch die Konkurrenz schlief nicht, und die meisten Zirkus-Superlative waren nicht von Dauer. Für Akrobaten und Clowns, Tiger und Löwen des neuen Riesenzirkus' der noch der Zirkus hatte Sex getrennt auftrat wurde ein Zug mit bis zu hundert Eisenbahnwaggons benötigt.

Für jeden Auftritt ging fast schon eine Kleinstadt von an die Angestellten auf Reisen, jährlich legten sie dabei bis zu Der Zirkus hatte Sex nur der gigantische Logistikaufwand brach etliche Rekorde, sondern auch die Auftritte selbst.

Zu Weltruhm brachte es in den zwanziger Jahren auch die Tigerdompteuse Mabel Stark, die sich mit ihrem Kilogramm schweren Lieblingstiger Rajah sogar das Bett geteilt haben soll. Ihre Aufführungen waren so spektakulär, dass manch ein Zuschauer vor Schreck in Ohnmacht fiel - etwa, wenn Stark sich scheinbar leichtsinnig zum Der Zirkus hatte Sex drehte und hinter ihrem Rücken ein Tiger zum Sprung ansetzte und ihr in den Rücken fiel. Die ganze Welt befand sich um die Jahrhundertwende für mehrere Jahrzehnte im Zirkusfieber.

Dabei hatte er eigentlich schon längst aufgehört, sich allein auf dieses Geschäft zu verlassen. Längst investierte er in Eisenbahnlinien, gründete eine eigene Bank und beteiligte sich bei etlichen Firmen.

Unermüdlich bastelte er auch an einem Projekt, das ihn berühmter machen sollte, als es jede noch so raffinierte Artistennummer konnte: Seine im toskanischen Stil in Sarasota in Florida errichtete Riesenvilla füllte er mit den wertvollsten Kunstwerken der alten Welt, darunter Gemälde von Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck oder Nicolas Poussin.

Vielleicht ahnte Ringling, dass Kunst weniger vergänglicher sein würde als die Industrie, die ihn der Zirkus hatte Sex gemachte hatte. Nach seinem Tod wurde sein Anwesen in ein Museum umgewandelt, das bis heute Tausende von Besuchern anzieht.

Die Zirkusbranche hingegen geriet bald in eine Existenzkrise. Irgendwie dümpelt die Zirkusbranche bis heute vor sich hin. Von dem einstigen Glanz, dem Einfluss und dem Reichtum ist nicht viel geblieben. Bei dem Wort Der Zirkus hatte Sex bekommt kaum ein Kind rote Wangen und kein Erwachsener assoziiert damit wohlgenährte Unternehmer, sondern eher prekäre Existenzen. Tiere, Clownereien und Sensationen lieben die Menschen nicht weniger als vor hundert oder hundertfünfzig Jahren - doch heute werden sie frei Haus geliefert, und nicht mehr in die Manege.

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Christian O. Dienstag, Verwandte Artikel. Zur Startseite. Diesen Artikel Mehr zum Thema. Diskutieren Sie über diesen Artikel. Ihr Kommentar zum Thema. Anmelden Registrieren. Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.