Eine Situation, in der eine Frau gibt nicht auf Sex

Warum Frauen oft NICHT mit dir schlafen wollen, obwohl du alles richtig machst

Freund anwesend beim Sex zwischen Mann und Frau

Anstatt die Prostitution zu verbieten, sollte man sie vollständig entkriminalisieren, fordert Rebecca Angelini von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration im Interview. Und prangert Bevormundungen und bürgerliche Moralvorstellungen an. Von Carlos Hanimann Transparente und unabhängige Informationen sind wichtig für die echte Meinungsbildung.

In kompromisslosen Analysen, Reportagen, Rezensionen und Interviews. Als digitales Magazin und in Podcasts. Ohne Werbung. Testen Sie die Republik jetzt 14 Tage lang gratis. Dürfen Männer für Sex bezahlen? Oder sollen Freier bestraft werden, wie in Schweden?

Es ist eine alte Debatte. Die Kampagne löst ein grosses Echo aus. Ein Videoin dem Schwedinnen und Schweden sich darüber ärgern, dass sie eine Situation wieder mit der rückständigen Schweiz verglichen werden, wurde hundertfach geteilt. Das sehen nicht alle so. Sie erinnern daran, wie umstritten das schwedische Modell ist. Auch innerhalb des Dachverbands, der die Kampagne verantwortet, stösst das Vorpreschen der In der eine Frau gibt nicht auf Sex auf Kritik.

Sie spricht ihnen jede Fähigkeit ab, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Frau Angelini, in einem Kampagnenvideo der Frauenzentrale Zürich vergleichen Schwedinnen die Schweizer mit Hinterwäldlern, weil der Sexkauf in der Schweiz nicht verboten ist.

Müsste sich die Schweiz Schweden zum Vorbild nehmen? In Schweden ist es verboten, Sex zu kaufen. Vordergründig werden die Freier kriminalisiert, nicht die Sexarbeiterinnen. Tatsächlich aber erschwert die Gesetzgebung das Leben der Frauen: Sie können ihr Geschäft nicht anmelden, keine Salons führen.

Sie müssen ihr Geschäft im Verborgenen betreiben und werden dadurch in den Untergrund gedrängt. Das schwedische Modell gilt als erfolgreich: Die Prostitution sei zurückgegangen. Die offiziellen Studien der schwedischen Regierung sind umstritten. Es heisst zwar, dass etwa die Sexarbeit auf dem Strassenstrich verschwunden sei.

Aber es gibt Zweifel daranob das mit dem Einführen des Sexkaufverbots zusammenhängt. Etwa zur gleichen Zeit kam nämlich das Internet auf. Das Anwerben hat sich ins Netz verschoben. Die Sexarbeit ist nicht weg, nur weniger sichtbar. Zudem gibt es methodische Mängel an den Studien, weil es keine verlässlichen Daten über die Zeit vor der Einführung des Gesetzes gibt.

Das Modell kommt trotzdem gut an. Andere europäische Staaten wie Frankreich haben es übernommen. Ja, aber auch hier gibt es Kritik. Es gibt weniger Freier und damit weniger Geschäfte. Die Frauen sind stärker von ihnen abhängig, das Geschäft findet versteckt statt, alles muss schnell gehen.

Das Risiko für die Frauen hat sich erhöht. Mehr als die Hälfte der Freier verlangt Sex ohne Kondom, die Verbreitung von Syphilis hat zugenommen, und die Repression durch die Polizei ist eine Situation als zuvor.

Es gibt doch auch Sozialprogramme: Man hilft den Frauen auszusteigen. Es gibt soziale und repressive Massnahmen. Das Problem ist, dass die repressiven Massnahmen überwiegen. Sehr wenige Sexarbeiterinnen haben beispielsweise Zugang zum staatlichen Ausstiegsprogramm.

Hinzu kommt: Genutzt wird es hauptsächlich von Französinnen. Für Migrantinnen, die vulnerabelsten Frauen, ist es kaum zugänglich. Dafür hat die Stigmatisierung massiv zugenommen und die Selbstbestimmung abgenommen. Das schwedische Modell hat den Sexarbeiterinnen nicht geholfen? Nein, im Gegenteil: Es hat zu einer Verschlechterung ihrer Situation geführt.

Die Sexarbeit wird verteufelt. Das ist auch das erklärte Ziel des schwedischen Modells: die Sexarbeit zum Verschwinden zu bringen. Man nimmt bewusst eine Situation Kauf, dass man den Betroffenen das Leben schwer macht, und begründet das mit einem höheren Ziel: einer prostitutionsfreien Gesellschaft. Die Frauenzentrale sagt in ihrer Kampagne, Prostitution verunmögliche Gleichberechtigung. Keine Frage: Sexarbeit kann Ausdruck von Ungleichheit sein.

Die Sexarbeit macht Armutsgefälle und Frauenverachtung sichtbar. Aber sie ist nicht die Ursache. Auf der Plattform heisst es auch, Prostitution bedeute immer auch Gewalt gegen In der eine Frau gibt nicht auf Sex. Dieser Opferdiskurs entspricht nicht der Realität. Ich weiss nicht, ob Frau Gisler von der Frauenzentrale mit Sexarbeiterinnen spricht.

Sagt sie ihnen dann: Ja, wissen Sie denn nicht, dass Sie ein Opfer sind? Ja, es gibt Gewalt. Ja, es gibt Ausbeutung. Aber die gibt es auch in der Hausarbeit, in der Landwirtschaft, in der In der eine Frau gibt nicht auf Sex. Wenn Eine Situation in der Eine Situation häufiger vorkommt als in anderen Branchen, dann liegt es daran, dass die Sexarbeiterinnen stärker prekarisiert sind: Es geht um illegalisierten Aufenthalt, Stigmatisierung, Rechtsunsicherheit.

Das macht sie verletzlicher. Eine Sexarbeiterin überlegt sich zweimal, ob sie in der eine Frau gibt nicht auf Sex Polizei gehen soll, wenn sie Gewalt erlebt. Oft wird ihr gar nicht geglaubt. In Schweden ist die Situation noch heikler. Wenn eine Frau in ihrer Wohnung anschafft und Opfer von Gewalt wird, kann sie nicht zur Polizei, weil sie sonst Arbeit und Wohnung verliert.

Sollen Männer Sex kaufen dürfen? Eines vorweg: Es gibt auch männliche Sexarbeit, und es gibt auch Frauen, die Sex kaufen. Noch einmal: Sexarbeit ist Ausdruck von ungleichen Machtverhältnissen, aber sie ist nicht die Ursache.

Wenn man die Verhältnisse ändern will, sollte man die Strukturen infrage stellen und den Kampf gegen Frauenverachtung nicht auf dem Rücken der Sexarbeiterinnen austragen. Sie lehnen ein Prostitutionsverbot also ab. Ganz klar. Man sollte die Sexarbeit vollständig entkriminalisieren.

Ein Verbot — oder auch ein schwedisches Modell, wie es die Frauenzentrale fordert — bringt nichts, es schadet den betroffenen Frauen.

Ziel muss sein, die Verhältnisse so zu ändern, dass alle eine echte Wahlfreiheit haben, ob sie der Sexarbeit nachgehen eine Situation oder nicht. Wer macht schon freiwillig Sexarbeit? Gegenfrage: Wer putzt schon gerne freiwillig?

Freiwilligkeit ist eine ungeeignete Kategorie, es geht um Selbstbestimmung: Dass eine Frau den Preis bestimmt, dass sie ihr Geld selber verwaltet, dass sie Freier ablehnen, dass sie sich vor Krankheiten schützen kann. Dass sie letztlich selber entscheidet, ob sie einen anderen Beruf ausüben will. Die Frauenzentrale sagt in ihrer Kampagne, 85 bis 95 Prozent wollten aus der Prostitution aussteigen.

Wir machen in unseren Beratungen andere Erfahrungen. Natürlich gibt es die Frauen, die aussteigen wollen, wenn sie zum Beispiel älter werden und das Geschäft nicht mehr so läuft.

Aber ein Umstieg scheitert oft am Stigma, an den Lücken im Lebenslauf. Wenn es gelingt, gehen die Frauen vielleicht putzen oder arbeiten im Gastgewerbe. Manche sind zufrieden eine Situation, andere nicht. Kürzlich hatten wir gerade so einen Fall, wo eine Frau zur Sexarbeit zurückkehrte.

Sie sagte: Ich bin doch nicht blöd und mache mich 14 Stunden am Tag in der eine Frau gibt nicht auf Sex, und der Chef schnauzt mich die eine Situation Zeit an. Da bin ich lieber meine eigene Chefin und arbeite, wie ich will. Jetzt mal ehrlich: Wie viele Frauen arbeiten wirklich selbstbestimmt eine Situation dieser Branche?

Die Sexarbeiterinnen lassen sich in drei Gruppen teilen. Es gibt die sogenannten Happy Hookers: vorwiegend Dominas in Salons, die andere Möglichkeiten hätten, sich aber für die Sexarbeit entscheiden. Dann gibt es die Frauen, die wenig andere Optionen haben, aber die Sexarbeit dennoch vorziehen. Und dann gibt es den Frauenhandel, wo Gewalt und Ausbeutung extrem sind.

Das ist die Ausnahme, etwa 10 Prozent. Die selbstbestimmte Sexarbeit ist eindeutig die Regel. Sie beschönigen. Glauben Sie mir, ich romantisiere bestimmt nicht. Was mich ärgert, ist, dass bei der Sexarbeit andere Massstäbe gelten.