Sex durch die Augen der Wissenschaft

Markenzeichen: Unverkennbar! - SWR Nachtcafé

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Eigentlich ergibt diese Art der Paarung keinen Sinn. Die meisten sexuell aktiven Arten bestehen aus zwei Geschlechtern, von denen jedoch nur eines Nachwuchs in die Welt setzen kann. Ohne Sex dagegen könnte jedes Individuum einer Art jederzeit Nachkommen erzeugen, die seine genetischen Kopien sind — statt sich aufwändig zu zweit zusammenzutun und dabei nicht nur auf die Hälfte des Nachwuchses zu verzichten, sondern auch nur 50 Prozent der Gene beizusteuern.

Warum also die Mühe? Zwingend notwendig ist Sex jedenfalls nicht — sogar einige Wirbeltiere wie Geckos und Eidechsen vermehren sich durch diese so genannte Parthenogenese. Der Grund dafür ist bis heute Gegenstand ausdauernder Spekulation. Demnach filtert Sex zu starke Abweichungen wie zum Beispiel Chromosomenanomalien heraus, weil sie die Partner inkompatibel machen.

Dafür bleiben kleinere Variationen nicht nur möglich, sondern werden durch Rekombination sogar gefördert. Möglich ist auch, dass Sex schädliche Mutationen in Schach hält, die sich sonst ansammeln würden. Bei der sexuellen Rekombination werden ja nicht nur je eine Hälfte von zwei Genomen verbunden, die anderen Hälften fallen jeweils weg — und mit ihnen potenziell schädliche Veränderungen.

Bei dieser Idee geht es um bedrohliche Parasiten und wie ihre Wirte damit umgehen. Parasit und Wirt befinden sich Sex durch die Augen der Wissenschaft einem dauernden Wettrennen der gegenseitigen Anpassung — doch ohne Sex geschieht Anpassung nur durch Mutationen und damit viel zu langsam und unzuverlässig.

Deswegen, so diese Hypothese, kombinieren so viele Arten ihre Gene immer wieder neu: um einen Immunvorsprung vor den Parasiten zu haben, die sie plagen. Warum der Mikroorganismus eine solche Vielfalt an diesen "mating types" bildet, ist unklar. Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Lebewesen den Aufwand nur im Notfall antun. Tatsächlich ist Sex für Art und Individuum so kostspielig, dass einige Arten Methoden entwickelt haben, ihn zu vermeiden.

Dabei entstehen aus Eizellen mit dem doppelten Chromosomensatz im Gegensatz zu geschlechtlichen Eizellen und Spermien, die nur je einen Chromosomensatz haben direkt wieder weibliche Tiere, die genetisch Klone der Mutter sind. Parthenogenese kommt in einer erstaunlichen Bandbreite von Tiergruppen vor: von Rädertierchen und Schnecken bis hin zu Echsen und sogar einzelnen Vogelarten wie den Truthühnern.

Einige Arten, zum Beispiel einige Wasserflöhe, können beides. Tatsächlich erstreckt sich in der Tierwelt zwischen Sex und kein Sex ein Kontinuum, in dem viele unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien verwirklicht sind. Doch Wohlbefinden ist nicht gleich Wohlbefinden, und Sex hat gegenüber anderen angenehmen Tätigkeiten zum Beispiel Schokolade essen einen zusätzlichen speziellen Mechanismus, um es zu erzeugen: Der Orgasmus ist eine neurophysiologische Reaktion auf sexuelle Stimulation, die unter Kontrolle des autonomen Nervensystems steht.

Die Frage nach der Funktion des Orgasmus wird für beide Geschlechter sehr unterschiedlich gestellt. Der männliche Orgasmus, darüber scheint weithin Einigkeit zu bestehen, hat seinen direkten biologischen Sinn in der Ejakulation und damit direkt in der Fortpflanzung. Ob sich der männliche und weibliche Orgasmus unterscheiden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Allerdings gibt es Forschungsergebnisse, die dem widersprechen: So lassen sich subjektive Beschreibungen des Orgasmus anscheinend nicht Sex durch die Augen der Wissenschaft nach Geschlecht unterscheiden.

Frauen hingegen sind unabhängig vom Orgasmus empfängnisfähig. Insbesondere gibt es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen der für die Fortpflanzung notwendigen Penetration und dem Orgasmus. All das spricht dafür, dass der weibliche Orgasmus weniger mit der biologischen Funktion des Geschlechtsaktes zusammenhängt als mit seiner sozialen Komponente.

Studien zeigen, dass Attraktivität und sozialer Status des Partners eine wichtige Rolle bei Häufigkeit und Intensität weiblicher Orgasmen spielen. Neuere, evolutionsbiologisch inspirierte Ideen basieren auf dem Umstand, dass die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung durch den weiblichen Höhepunkt steigt.

Demnach ist der Orgasmus ein Mechanismus für die so genannte "cryptic female choice", die unbewusste Auswahl der Frau, welcher ihrer Partner tatsächlich die Eizelle befruchtet. In ihrer Sex durch die Augen der Wissenschaft stärksten mechanisch inspirierten Variante nennt man dies die "upsuck-Hypothese", was wohl keiner weiteren Erläuterung bedarf.

Was davon stimmt und ob solche evolutionsbiologisch geprägten Erklärungsansätze Sinn machen, darüber streitet die Fachgemeinde bis heute lustvoll. Die vermutete Trainingswirkung für das Herz-Kreislauf-System scheint jedenfalls eher vernachlässigbar zu sein. Hinzu kommt, dass körperliche Nähe Blutdruck und Herzschlagrate reduziert und vor Sex durch die Augen der Wissenschaft weniger anfällig gegen Stress macht.

Sex hilft wohl auch, dank dem auf die innere Sex durch die Augen der Wissenschaft wirkenden Hormon Prolaktin, beim Einschlafen. Noch nicht geklärt ist die Frage, wie Sex auf das Immunsystem wirkt. Misstrauisch sollte im Hinblick auf die angeblichen Vorteile insgesamt machen, dass zölibatär lebende Mönche und Nonnen keineswegs bei schlechterer Gesundheit sind als der Rest der Bevölkerung. Aber auch bisher besiegt geglaubte bakterielle Infektionen kehren zurück, so die Gonorrhö, deren Erreger inzwischen gegen viele Antibiotika resistent sind.

Evolution verbinden Sex durch die Augen der Wissenschaft Menschen mit der irreführenden Phrase "survival of the fittest". Das führt dazu, dass es keineswegs nur der Kampf ums Überleben ist, der über den langfristigen Erfolg bestimmter erblicher Eigenschaften entscheidet, sondern in vielen Fällen der Geschmack der Weibchen. So auch beim Menschen. Unglücklicherweise ist nur sehr schwer zu beweisen, dass eine bestimmte Eigenschaft der sexuellen Selektion unterliegt. Die weitreichendste Hypothese über die Bedeutung sexueller Selektion beim Menschen Sex durch die Augen der Wissenschaft sicherlich die in den er Jahren aufgekommene These, die menschliche Kultur als solche sei ein Produkt des Wettbewerbs um Geschlechtspartner.

So könnten Demonstrationen kreativer Fähigkeiten die Attraktivität für das andere Geschlecht erhöhen oder den sozialen Status verbessern. Auch diese Annahmen allerdings sind kontrovers und schwer unabhängig zu überprüfen. Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten.

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