Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt

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Nun könnte man sich natürlich — weil es eine jahrhundertealte Debatte darüber gibt — lange über den Begriff des Hässlichen streiten. Würde zu weit führen, um Schönheit geht es nicht.

Es geht um Intimität, um den verzweifelten Versuch, Nähe zu gewinnen, um Liebe eigentlich auch. Ein Film hatte während der Berlinale besonders die Gemüter erhitzt.

Könnte also ein ganz prima Film werden. Bleibt aber eine Versuchsanordnung, ein mit Kunstwollen vollgestelltes Filmlabor. Pintilie folgt — sie selbst tritt Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt Laborleiterin auf, schaltet sich ein, stellt via Video Fragen — einer Frau namens Laura durch ein Stations Drama möchte man es nicht nennen.

Bei dem alles an der Versuchsanordnung für den Zuschauer unerklärt bleibt. Da würde die berührungsintensive eigentliche Geschichte vielleicht sogar berühren. Elmar Krekeler. Mit der Einsamkeit ist es ähnlich in mit dem Leid — wenn man sie teilt, ist sie einfacher zu ertragen. Daher ist ein lieber und verlässlicher Partner vor allem an den entlegensten Orten der Welt goldwert.

Dort lebt Nanook gemeinsam mit seiner Frau Sedna. Rentiere sind dem gealterten jakutischen Paar keine mehr geblieben, dafür ein Hund und ein kleiner Hof mitten in den eisigen Weiten der Tundra. Der Vater hat ihr das nie verziehen. So leben Nanook und Sedna zusammen in perfekter Symbiose und wirken inmitten der schneebedeckten Weite um sie herum wie die verlassensten Menschen der Welt. Sie selbst werden das anders sehen, immerhin haben sie noch sich selbst.

Doch Sedna ist krank. Die unzähligen toten Tiere, die Nanook auf seinen Streifzügen findet, werden zum Omen für ihren schleichende Tod. Und irgendwann findet sich Nanook vollkommen allein wieder. Das ist unheimlich schön anzuschauen, aber auch unheimlich langatmig. Zurück in der S-Bahn ist man zwar genervt und erschöpft — nur alleine fühlt man sich nicht. Katja Belousova. Filme, das ist jetzt wieder so eine Bauernweisheit, die man manchmal so vor sich hin erfindet, wenn einem im Kino langweilig ist, Filme also, die mit Blockflöten anfangen, können nur besser werden.

Beginnen sie mit einem ganzen Orchester von Blockflöten, könnte man sich also beruhigt zurücklehnen. Wird schon gut gehen. Das Ende der Berlinale naht. Sehen Sie hier einen ersten Rückblick. Quelle: WELT. Sie spielen eigentlich gar nichts.

Das merkt man aber erst allmählich. In das aus allen Landesteilen Artefakte zusammengefahren wurden, von Mayas, Azteken, Mixteken, aus allen alten Kulturen. Man sieht Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt in Dokumentarfilmeinblendungen — beispielsweise einer in Stein gehauenen Gottheit dabei zu wie sie auf einen gigantischen Tiefstapler geladen und ins schicke Museum gekarrt wird.

Sie studieren schon ewig, wohnen bei ihren Eltern, vermutlich solange bis die tot sind. Sie sind Veterinärmediziner im gefühlt Carlos Castaneda kommt vor. Das ist ja so etwas wie der Martin Heidegger Mexikos. Nicht um kulturell Rache zu üben und den indigenen Völkern ihre Kunst zurückzugeben, das wäre ja immerhin was gewesen. Sondern aus Daffke. Und sie können das verblüffend gut.

Sie nehmen zwei Taschen voll Schmuck, Masken und sonstiges Zeug mit. Und dann fahren sie los. Und dann fährt auch der Film los. Juan und Wilson sind im Urwald bei den Mayas, dann in Acapulco, das mexikanische Tourismusministerium sagt danke. Weswegen wir natürlich unser Bauernweisheit als widerlegt zurücknehmen Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt.

Blockflöten sind einfach nur Blockflöten. Jacek würde auch als klassischer Hipster durchgehen: lange, braune Haare, Vollbart, coole Klamotten, lässiges Auftreten. Anstelle von Techno hört er jedoch Heavy Metal und statt in Berlin wohnt er in einem polnischen Dorf.

Dort scheint es nur zwei Alltagsbeschäftigungen zu geben: Kirche und Schnaps. Gerne auch in dieser Reihenfolge. Nach der Messe geht es in die Stube. Wenn das monotone Dorfleben und die fehlende Perspektive die Gemüter zunächst betrüben, so hat man das Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt drei, vier Gläsern wieder vergessen. Jacek ist glücklich. Und dann ist er auch noch verlobt.

Es könnte nicht besser laufen. Bis zu dem Tag, an dem er — wieder nach rasend schneller Autofahrt, bei der man auf den gefürchteten Unfall nur so wartet — einfach so umkippt und metertief die Statue hinunterfällt. Nach Wochen auf der Intensivstation kehrt er zurück ins Dorf, doch nichts ist wie vorher. Am wenigsten er selbst: Jacek hat ein komplett neues Gesicht implantiert bekommen.

Sein Leben ändert sich drastisch, von geforderten Exorzismus bis hin zu Fotoshootings. Jacek ist der ungewollte Star im Dorf. Allen voran: die Vorstellung, jemand sei ein anderer Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt, nur weil er plötzlich anders aussieht. Auch die Kirche bekommt ihre Portion Kritik ab, wird sie vor allem als eine heuchlerische Institution dargestellt, die ihre in Not geratenen Mitglieder im Stich lässt, ja sogar den Teufel in ihnen fürchtet.

Szumowska tritt nun zum vierten Mal bei der Berlinale an. Szumowska spielt hier nicht nur mit der Oberflächlichkeit ihrer Protagonisten, sondern auch mit dem Auge des Betrachters. Mit einem trockenen polnischen Humor, der das tragische Schicksal Jaceks zu einer sehenswerten Komödie macht.

Leonie Bartsch. Eine junge Polizistin erzählt, dass sie trotz ihrer guten Ausbildung keine Anstellung findet, immer sage man ihr, man stelle Frauen prinzipiell nicht ein. Ein junges Mädchen räsoniert in einem Vorgarten über den Püppchen-Style ihrer Altersgenossinnen, und eine Mutter beklagt, dass in dem ganzen wohlmeinenden feministischen Gerede die Einsamkeit der Hispanics völlig vergessen werde. Jetzt nerven sie wieder alle.

Es sind alte Leserbriefe. Die meisten wurden nie veröffentlicht. Sie legte die Briefe Frauen vor, die aus denselben Orten stammen wie die Briefeschreiberinnen von damals, oder die in ähnlichen Lebenssituationen stehen. Der Effekt ist verblüffend: Reflexion und Überwältigung, Kampfansage und zarteste Selbstoffenbarung, Aufsplitterung und Gemeinsamkeit bleiben ständig miteinander in einem Wettstreit.

Und der Unterschied zwischen früher und heute wird auch fraglich. Es geht eben keineswegs immer nur voran mit der menschlichen Freiheit, da hilft auch das ganze Hashtag-Fortschrittlichkeitsfeeling nichts. Wie verjährt und vergessen werden sie auf denjenigen wirken, der sie liest? Oder wie aktuell und drängend? Und das in einem Land, in dem es offenbar üblich ist, dass der Mann seine Zukünftige kidnappt, ohne sie nach ihrem Einverständnis zu fragen.

Ganz anders als Lusztig mit ihrem Sex mit einem russischen Hause in der realen Welt Stil sorgt Echard mit poetischen Eingriffen für ästhetischen Abstand, ohne jedoch zu verklären: Sie hat ihren Film vollständig auf stummem SuperFilm gedreht und den Ton separat aufgenommen. Andere halten Djamilia für leichtsinnig, ja dumm. Wieder andere beziehen aus der Erzählung Kraft fürs pragmatische Weltverbessern im Alltag, um etwa als Lehrerin selbstbewusste, freie junge Menschen zu erziehen. Zwischen diesen Porträts von Frauen aller Generationen entrückt Echard das Sittenbild durch grobkörnige Steppenlandschaftsbilder, weizengelb und rot wie von William Turner gemalt, durch die mit schwarzem offenem Haar eine Fantasie-Djamilia streift, frei, als Rückenfigur, als Vor-Bild.

Oder als verblassende Erinnerung. Cosima Lutz. Eine Angestellte mit interessanterem Namen als Job — Sawyer Valentini und irgendwas mit Banking — leidet, seit sie ein nerviger Typ in Boston stalkte, unter Verfolgungswahn. In einer Klinik will sie eigentlich nur mal ihre Sorgen loswerden.

Die lochen sie aber gleich ein. Sie sagt bzw. Sawyer Valentini freundet sich mit einem Mitgefangenen an, wie man die Patienten in der geschlossenen Abteilung ehrlichweise nennen kann. Für das in Aussicht gestellte Tauschgeschäft Handy gegen Blowjob darf sie mal mit ihrer Mutter telefonieren. Die Mutter eilt, wie es bei Müttern so üblich ist, herbei. Ihre Bemühungen, die Tochter frei zu kriegen, scheitern an derselben Hürde wie die versprochenen Zärtlichkeiten: Sawyers Stalker.

Eine Weile zweifelt der Zuschauer. Hat er es womöglich mit einer unzuverlässigen Erzählerin zu tun? Wie viel Wahn enthält, was sich als Wirklichkeit ausgibt? Bei der Beerdigung griff er sich erst ein Herz und dann ihre Hand.

Seitdem jagt er dem Phantom ewigen Liebe hinterher, notfalls mit einem Hammer bewaffnet durch finstere Wälder.