Wie sie den Sex in der UdSSR genannt

David Brooks: The social animal

300 Rubel für Sex

Schrank — Bauherren — Strom. Subversive Bilderzählschränke. Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für diesen Gegenstand, der häufig mit Graffiti getagged bzw. Es geht um Territorien. Baustromschrank, Bauverteilerschrank oder Verteilerendschrank sind gängige Benennungen. Baustromschränke sind Männersache. Vielleicht gibt es Architektinnen, die während ihres Studiums oder im Praktikum auch einmal auf dem Bau gearbeitet haben. Doch Bau ist erstens eine Männerdomäne und zweitens arbeiten auf Berlins Baustellen kaum noch deutsche Bauarbeiter.

Frauen sind so gut wie gar nicht darunter zu sehen. Auf dem Bau funktioniert eine nahezu uneingeschränkte Männerdominanz.

Der Bauarbeiter ist ein Männlichkeitsmythos, obwohl es kaum noch um wirklich schwere Arbeit und Kraft geht. Die Bauteile werden fertig angeliefert und montiert. Kerstin Drechsel wird deshalb der Bauverteilerschrank im Stadtbild aufgefallen sein. Nun queert und feminisiert sie ihn als E-Werk. Robustheit ist Männerwelt. Möglicherweise ist es für Frauen in Deutschland nicht völlig unmöglich, auf dem Bau tätig zu sein, aber der Anteil ist verschwindend gering.

Die vermeintlichen Starkstromkabel — Männer können umgangssprachlich unter Starkstrom stehen — sind statt mit schwarzem Gummi ummantelt bei ihr mit hellem Stoff bezogen. Vielleicht wirken sie dadurch noch geheimnisvoll phallischer als das Normkabel. Stromelektrischer Strom ist auch so ein Männlichkeitsmythos. Kerstin Drechsel hat sich die Baustromverteiler genau angesehen. Intuitiv hat sie mit den Kabeln und Scharnieren die Konstruktion der sonderbaren Schränke erkundet und geschlechtskünstlerisch transformiert.

Hier darf nichts wackeln oder unbestimmt bleiben. Zuverlässigkeit und exakte Bestimmung sind quasi gesetzlich vorgesehen. Man könnte fast sagen, dass der Baustromverteiler binäre Technik verkörpert. Er ist ein normierter Wissensbereich. Man könnte Drechsels skulpturale Gemälde einfach nur hübsch oder durch wie sie den Sex in der UdSSR genannt Ähnlichkeit witzig finden.

Wie sie den Sex in der UdSSR genannt die Dimension der Subversion tritt erst hervor, wenn man sich fragt, was ein Baustromschrank verkörpert. In der Regel stört man sich nicht daran, dass der Begriff des Bauherren eine Geschlechtsbestimmung ist. Baudamen gibt es nicht. Sie werden als Wortfehler sogleich von Word markiert. Normiert sind sie nicht. Die Baustromverteiler werden materiell und visuell zu Bilderzählschränken umgewandelt. Nein, hier werden keine Bilder gezählt. Die Schränke sind vielmehr mit Bildern, die erzählen, unschätzbar angereichert.

Obwohl Drechsel ihre Baustromverteiler in Energie- Erzähl- wie Wissensschränke verwandelt und feministisches Bild- und Textmaterial mehr collagiert als erfindet, malt sie praktisch mit Eitempera, Acryl und Aquarell. Doch sie baut die Schränke auch mit Holz und vor allem Scharnieren. Sie wird zur Baufrau. Doch gerade aus dieser Praxis heraus, entstehen Textbilder, die an den Bilderatlas von Aby Warburg erinnern. Das Auf- Um- und Wegklappen von Deckeln und Türen bringt immer wieder neue Konstellationen hervor, obwohl sich fast nicht verändert hat.

Es geht um ein anderes Lesen, wie es Didi-Huberman formuliert hat:. Zwischen Neandertalerinnen und Suffragetten entstehen Bildströme. Pussy Riot taucht auf. Und die ornamentalen Kätzchen oder Katzengesichter sind keinesfalls kawaii wie Hello Kitty. Die Pussys gruppieren sich um ein Baustromkastenfenster, als müssten sie es erobern. Es läuft auf das Tagging beim Graffiti hinaus.

Der Kasten wird von Pussys in Besitz genommen. Graffiti ist auch so eine Jungssache. MadC ist zwar eine Frau, die es immerhin unter die 10 bekanntesten deutschen Graffitikünstler geschafft hat. Graffiti-Forschung oder -Research ist an Universitäten nicht institutionalisiert.

Wahrscheinlich sind Graffitis heute die häufigsten Sachbeschädigungsfälle. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes illustriert den Straftatbestand Sachbeschädigung auf der Website polizei für dich mit einem Foto von einem Sprayer bei der Tat.

Über Graffiti wird ausführlich informiert. Graffiti steht international als Oberbegriff für eine subkulturelle Ausdrucksweise in Wie sie den Sex in der UdSSR genannt von Schriftzügen und Bildern in unterschiedlichsten Varianten.

Als Graffiti werden auf geeignete Flächen gezeichnete, gemalte, gesprühte oder gekratzte Bilder, Buchstaben oder andere Symbole bezeichnet. Klementine wurde sozusagen als verspätetes Hausfrauenmodell geboren. Ab wurden in Paris, in München und in Berlin Frauenbuchläden gegründet. Zwar lebten wohl auch damals schon Buchhandlungen ohnehin von lesenden Frauen, doch Frauenbuchläden richtet sich nun an Feministinnen und Lesben. Die Klementine-Kultur und die Subkultur der Frauenbuchläden?

Eine vorherrschende Kultur wird wie bei Klementine meistens durch Trivia materialisiert oder verkörpert. Doch Drechsel geht es mit den wie sie den Sex in der UdSSR genannt Bildern nicht in erster Linie darum andere normative Bilder zu schaffen, sondern die Bilder in Bewegung zu bringen. Zufällig streift die Künstlerin mit ihrer überachtzigjährigen Patentante durch ihre Wie sie den Sex in der UdSSR genannt.

Bei ihr entstehen andere Bilder, die Drechsel im Gespräch nicht etwa zurückweist, sondern gleichfalls gelten lässt. Sie erinnern zugleich an das normative Frauenbild der Barbie und sind doch aus anderem Material geschnitzt.

Katzen lösen wie Hunde bei einigen Menschen sogleich einen Streichel- und Beschützerinstinkt aus. Nennen wir es einfach mal Instinkt. Doch weder die Puppen noch die Katzen erlauben die heimliche Anverwandlung. Die Materialität der Kunst von Kerstin Drechsel ist künstlich. Statt robustem Metallschrank werden die Schaltschränke in stabilem Holz zusammengebaut und bemalt. Sie bringen queere Materialitäten ins Spiel. Die Dysfunktionalität der Scharniere gibt unterdessen einen Wink auf die Sicherheitsmythen von Robustheit und Stabilität.

So können die E-Werke einerseits an die Energien, die sie freisetzen, und andererseits an das Visuelle erinnern. Die Wie sie den Sex in der UdSSR genannt des Visuellen, die sozusagen in den Bildern steckt und die mit den Klappen und Türchen im Innern verschachtelt ist, lässt sich durch die Scharniere nicht bändigen.

Gleichwohl können die E-Werke an Möbelstücke für den täglichen Gebrauch erinnern. Von Fern erinnern sie an ein Nachttischchen neben dem Bett.

Wie schon mit den artifiziellen Tischplatten als anderes Gemälde mit Comicfiguren und der Venus von Willendorf geht es nicht nur um die schöne Kunst oder das eine Bild, sondern auch um ihren Gebrauch. Um die Öffnung für das Kabel sind Brauntöne verschmiert. An den Ecken und Kanten haben sich Griffspuren eingefärbt. Robust genug sind sie ja.

Wie schwarzes Haar hängen die Fäden aus der Hülle von der Decke. In den E-Werken wird diese Art Wissen verschachtelt und wie sie den Sex in der UdSSR genannt. Zwar lassen sich die Bilder auf der Tischplatte nicht verschieben, doch befinden sie sich in einem Prozess wie auf einem Tisch.

Die Einmaligkeit des Tafelbilds weicht auf einem Tisch der unaufhörlich erneuerten Offenheit für neue Möglichkeiten, neue Begegnungen, neue Vielfältigkeiten, neue Konfigurationen. Doch die Klappen, Deckel und Türen generieren über die Scharniere ebenfalls immer wieder neue Konfigurationen von queerer Weiblichkeit.

Erst wenn die Scharniere bewegt werden, ergeben sich neue Bildverweise und springen für oft nur einen Moment andere Bilder aus der Konstellation. Die Bilder lassen sich kaum fassen. Mal springen sie als Markierungen für Schönheitsoperationen heraus, dann wieder als Lungenflügel und plötzlich als gespiegelte antike Architektur.

Es hilft ja nicht nur das Wissen um ein Bild, das im wie sie den Sex in der UdSSR genannt Moment von der Öffnung im Boden durch ein Schlauchkabel schon wieder abgesogen werden könnte, vielmehr fasziniert Kerstin Drechsels neue Werkgruppe durch ihren Bilderreichtum, der nicht zum Stillstand kommt.

Torsten Flüh. PS: Ab November werden 3 E-Werke in der Gemeinschaftsausstellung Pissing in a river. Kerstin Drechsel. Finissage in Anwesenheit der Künstlerin. November 14 bis 18 Uhr. Pissing in a river. November bis Januar Mariannenplatz 2. Paderborn: Wilhelm Fink,S. April